Sonntagsmatineen

Ein Schlossherbst voller Überraschungen

Sobald sich im Naturpark von Schloss Bruck die ersten Blätter als Vorboten des Herbstes färben, kann man auch im Museum der Stadt Lienz die  bunte, abwechslungsreiche Jahreszeit genießen. Neben Kultur lockt in der Residenzburg der Görzer Grafen auch die Kulinarik. Zudem erwartet die Besucher im Jubiläumsjahr des Ausnahmekünstlers Albin Egger-Lienz so manche Überraschung.
Besonders vielfältig, wissenswert und unglaublich spannend präsentiert sich heuer das Museum Schloss Bruck im Schlossherbst. So erklärt Kunsthistoriker Leo Andergassen auf charmante und pointierte Weise die Arbeit des Künstlers Simon von Taisten, der die Schlosskapelle in einen Himmel auf Erden verwandelt hat.
Weit weniger himmlisch waren die Vorgänge die zu den „Hexenverfolgungen“ in Tirol, die auch an den Grenzen von Lienz nicht Halt machten. Historiker Stefan Weis erinnert an die tragischen Schicksale der angeklagten Frauen und führt die grausamen Vorgehensweisen der damals Verantwortlichen vor Augen.     
Anlässlich des 150. Geburtstages des heimischen Ausnahmekünstlers Albin Egger-Lienz finden insgesamt vier Matineen statt, die sein Leben, sein Werk und die Sammlungsgeschichte aus allen Blickwinkeln be- und durchleuchtet.
Allerdings bietet der Schlossherbst auf Schloss Bruck nicht nur Nahrung für den Geist, sondern sorgt auch für kulinarische Genüsse. So kann man im Museumcafe den Sturm des Jahres kosten. Und natürlich auch trinken.
Selbst der Oktoberfestzeit wird Rechnung getragen. Und zwar mit allem was dazugehört:  Weizenbier, Weißwurst und Brezen. Und weil an den letzten Sonntagen im Oktober laut Wetterprognosen der goldene Herbst so richtig strahlend ausklingt, kann man auf der Terrasse frisch gebratene Kastanien essen. Alles vor der Kulisse der Sonnenstadt, die den Besuchern des Schlosses im wahrsten Sinne zu Füßen liegt. 

 

Sonntagsmatineen auf Schloss Bruck, Lienz
jeweils um 11 Uhr

16.09.2018
Der Himmel der letzten Görzer Grafen
Leo Andergassen, Kunsthistoriker, Direktor des Südtiroler Landesmuseums Schloss Tirol
Simon von Taisten schuf im Auftrag von Leonhard und Paola eine in Art und Erhaltungszustand einzigartige spätgotische Perle der Freskenkunst. Doch welche Rückschlüsse kann man aus den Themen und Darstellungsweisen der Burgkapelle von Schloss Bruck ziehen? Leo Andergassen führt durch den spätmittelalterlichen „Himmel der Görzer Grafen“ und gibt überraschende Einsichten auch in das Diesseits am Görzer Hof.

23.09.2018
Die Hexe muss brennen
Stefan Weis, Historiker, Museum Schloss Bruck
1485 – ein bedeutendes Datum in der Geschichte der vermeintlichen „Hexenverfolgung“. In diesem Jahr wurden in Innsbruck durch den elsässischen Dominikaner Heinrich Kramer erstmals Anklagen gegen „Hexen“ vorgebracht – und er daraufhin vom Tiroler Landesherren aus dem Land im Gebirge verwiesen. Dieser Rauswurf und das daraufhin von Kramer verfasste Werk „Hexenhammer“ stehen am Anfang der furchtbaren Zeit der Hexenprozesse in ganz Europa und darüber hinaus. Stefan Weis begleitet die Besucher auf einem Rundgang durch die Geschichte der Verfolgungen bis hin zu Emerentia Pichler, der auf Schloss Bruck der Prozess gemacht wurde.

30.09.2018
Egger-Lienz persönlich…
Heike Förster, Kunsthistorikerin, Schloss Bruck
Anlässlich des 150. Geburtstags von Egger-Lienz widmet das Museum Schloss Bruck dem bedeutenden österreichischen Maler eine umfangreiche  Ausstellung zu Leben und Werk. Im Mittelpunkt stehen Meisterwerke aus dem eigenen reichen Museumsbestand, ergänzt um herausragende Leihgaben. Heike Förster, Ausstellungsvermittlerin des Museums, stellt in dieser Sonntagsmatinée den Werken von Albin Egger-Lienz Originalzitate des Künstlers gegenüber, der die Bilder und sein Werk dabei selbst kommentiert.

07.10.2018
Egger-Lienz und die Tiroler Moderne
Günther Moschig, Kunsthistoriker, Ausstellungskurator
In Egger-Lienz‘ Werk fließen das Internationale und das Regionale ineinander, die Kunst des Hotspots am Fin de Siècle, Wien, ebenso wie die traditionellen Einflüsse Tirols. Egger-Lienz steht damit am Beginn eines Aufbruchs in die Moderne zu einer Zeit, als Tiroler Künstler ihr Betätigungsfeld zumeist außerhalb der Heimat, in Wien, München, Berlin oder Paris suchten. Günther Moschig, der in Lienz 2012 bereits die Ausstellung "Über das Land" zu Egger-Lienz/Walde/Berg kuratierte, führt in die Welt der Tiroler Moderne, die sich nach dem Ersten Weltkrieg in einem vermeintlichen Land ohne Perspektive entwickelte.

14.10. 2018
Egger-Lienz und die Frauen
Carl Kraus, Kunsthistoriker, Ausstellungskurator
Das Thema der Mutter zieht sich bei Egger-Lienz, der selbst neben der biologischen auch eine Ziehmutter hatte, wie ein roter Faden durch sein Werk: von der "Heiligen Nacht" um 1900 bis zu seinem letzten großen Werk "Pietà" von 1926. Aber auch der Frau bei der täglichen bäuerlichen Arbeit oder den "Kriegsfrauen" hat sich der Maler eingehend gewidmet. Karl Craus begibt sich auf Spurensuche nach dem Frauenbild des Künstlers im Kontext des Symbolismus sowie der eigenen Biografie.
Carl Kraus gilt nach dem Tod von Wilfried Kirschl als der Egger-Lienz-Spezialist und war in den vergangenen Jahren immer wieder an Ausstellungsgestaltungen auf Schloss beteiligt.

21.10.2018
Egger-Lienz und die Restitution
Martin Kofler, Historiker, TAP & Silvia Ebner, Museumsleiterin Schloss Bruck
Die Egger-Lienz-Galerie in Schloss Bruck beherbergt die größte Werksammlung des österreichischen Malers neben dem Leopold Museum Wien, dem Land Tirol und dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck. Zwar stand am Anfang der Sammlungsgeschichte eine Schenkung des Künstlers selbst, doch in den Zeiten des Nationalsozialismus folgten Zugänge, deren detaillierte Herkunft lange im Dunkeln blieben – oder gerne in Vergessenheit gerieten. Zusammen mit Wilfried Kirschl erhob Martin Kofler um das Jahr 2000 die Herkunft der Gemälde und Grafiken und stieß dabei auf spannende zeitgeschichtliche Ereignisse. Zusammen mit Silvia Ebner führt er durch eine Matinee zu Provenienzforschung, geschichtlichen Hintergründen und erfolgten Restitutionen der vergangenen Jahre.

26.10.2018
Tiefer Glaube oder Vandalismus?
Anna Petutschnig & Elisabeth Tangerner, Studentinnen der Kunstgeschichte, Graz
Wer die Fresken der Schlosskapelle genau betrachtet, kommt nicht umhin, auch die Graffiti zu lesen, welche die Werke Simon von Taistens über und über bedecken. Schon kurz nach dem Tod des letzten Grafen finden sich die ersten Einritzungen, die wohl nicht als Vandalismus, sondern als Zeichen tiefen Glaubens zu sehen sind. Anna Petutschnig und Elisabeth Tangerner erhoben in Zusammenarbeit mit Romedio Schmitz-Esser, Professor an der Universität Graz, die Namen und Sprüche und versuchen, sie mit Leben und Hintergrundwissen zu erfüllen. Was steckt hinter den griechischen, englischen, lateinischen Eintragungen, unterscheiden sich die Inschriften über die Jahrhunderte?

Der Herbst auf Schloss Bruck (c) Wolfgang Retter